Lernleitfaden

Materialsammlung zur Sensibilisierung in Hinblick auf das Thema ‚Behinderung‘

Projekt Perspektivwechsel

Was meint der Begriff „Behinderung“?


Jeder Mensch ist einzigartig, jeder Mensch verschieden. Deshalb ist es normal, verschieden zu sein. Wo beginnt eine Behinderung? Und wer ist behindert? Die Grenzen zwischen behindert und nicht behindert sind fließend, die unterschiedlichen Arten von Behinderungen sind so vielfältig wie ihre Ursachen. Gibt es generelle Kriterien für Behinderung? Behinderung bedeutet fast immer auch – durch äußere Bedingungen – eine Begrenzung der eigenen Lebensentfaltung, eine Einschränkung und oftmals Verzicht in vielen Lebensbereichen. Ein weiterer Faktor ist die erhöhte Abhängigkeit von anderen Menschen im Bereich der persönlichen Versorgung. Hinzu kommt die Konfrontation mit negativen Reaktionen der Umwelt, Diskriminierung und Fremdbestimmung. Behinderung bedeutet aber auch das Mitbetroffensein von Familienangehörigen und Betreuern.
Quelle: Unterrichtsmaterial „Ich, du und die anderen“ der deutschen Behindertenhilfe Aktion Mensch e. V.

Wie letztendlich Behinderung definiert wird, muss offen bleiben, allerdings sind einige Versuche, Behinderung zu definieren, unter der Rubrik Definition zu finden. Da der Staat sich festlegen muss, wer zu den Menschen mit Behinderung zählt, hat er genaue Richtlinien erlassen, wie verschiedene Behinderungen eingestuft werden.


Welche Arten von Behinderung gibt es?

Es gibt Menschen mit:
. geistiger Behinderung
. Körperbehinderung
. Lernbehinderung
. psychischen Erkrankungen
. Sinnesbehinderung
. Sprachbehinderung
. chronischen Krankheiten

Quelle: Unterrichtsmaterial „Ich, du und die anderen“ der deutschen Behindertenhilfe Aktion Mensch e. V.



Behinderung in Zahlen

Fast 10 Millionen behinderte Menschen im Jahr 2009

WIESBADEN – Im Jahr 2009 lebten in Deutschland 9,6 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) nach den Ergebnissen des Mikrozensus mit. Im Durchschnitt war somit jeder neunte Einwohner (11,7%) behindert. Mehr als die Hälfte davon (53%) waren Männer. Der größte Teil, nämlich rund 7,1 Millionen Menschen, war schwerbehindert; 2,5 Millionen Menschen lebten mit einer leichteren Behinderung.

Die Auswirkungen der Behinderung auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft werden als Grad der Behinderung (GdB) nach Zehnergraden von 20 bis 100 abgestuft festgestellt. Personen, deren Grad der Behinderung mindestens 50 beträgt, gelten als schwerbehindert. Als leichter behindert werden Personen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50 bezeichnet.

Gegenüber 2005 ist die Zahl der behinderten Menschen um 11% beziehungsweise 919 000 Personen gestiegen. Besonders stark erhöhte sich die Zahl der Personen mit leichter Behinderung, und zwar um 29% (+ 546 000 Personen). Die Zahl schwerbehinderter Menschen nahm um 6% zu (+ 374 000 Personen).

Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf: So waren 72% der behinderten Menschen 55 Jahre oder älter. Der entsprechende Anteil dieser Altersgruppe innerhalb der nichtbehinderten Menschen betrug demgegenüber nur 29%.
[…]
Quelle: Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr.187 vom 12.05.2011



Der Versuch einer Definition


Quelle: Unterrichtsmaterial „Ich, du und die anderen“ der deutschen Behindertenhilfe Aktion Mensch e. V.



Grundlagen der infantilen Cerebralparese (ICP)

Oft werden wir (Zitat Anita Donaubauer) von Schülern gefragt, was denn genau unsere Behinderung sei. Da jeder Mensch einzigartig ist, und keiner identische Behinderungen hat, haben wir uns dazu entschieden, dass wir hier kurz die wichtigsten Fakten der Schädigung darstellen, die viele von uns erfahren haben.

Zu den Folgen der ICP:

Eine sichtbare Folge ist beispielsweise die Spastik
Der Betroffene kann sich nicht so bewegen, wie er es möchte, da der Regelzustand und die Kontrollierbarkeit der Muskeln gestört (Hypertonus) sind. Daraus resultiert die spastische Bewegungsstörung. Die Bewegungsmuster verarmen und der Betroffene spürt einen sogenannten Dehnungswiderstand bei den Bewegungen. Es kann auch dazu kommen, dass Bewegungsautomatismen mit einer bewussten Bewegung ausgelöst werden, so dass zum Beispiel eine Person, die sich erschreckt und nur den Kopf drehen möchte, automatisch einen Arm mitbewegt. Daher sollte man im Umgang mit Betroffenen immer vorsichtig sein, so dass sie sich nicht verletzen können.
Bei manchen Menschen ist die Spastik so stark ausgeprägt, dass sie beim Essen Probleme bekommen können, da sie eine sogenannte Schluck -Spastik haben. Hier sind die Schluckreflexe bzw. -muskeln von der Spastik betroffen. Daher muss man sich als Betroffener stark beim Essen konzentrieren und sich das Lachen am besten bis nach dem Essen aufheben.

Eine weitere Folge kann die Wahrnehmungsstörung sein
Unter Wahrnehmungsstörungen versteht man die fehlerhafte Aufnahme und Weiterverarbeitung von Sinneswahrnehmungen. Dies ist auf allen Stufen der Wahrnehmung möglich (Reizaufnahme – Reizleitung – Reizverarbeitung – Reizumsetzung).


Hintergrundinformationen zum Münchner Förderzentrum (MFZ)

Wir leben in München im Münchener Förderzentrum. Im Folgenden erhaltet ihr zu dieser Einrichtung und zu den dort angebotenen Therapiemaßnahmen einige Informationen.

Gliederung:
1 Das Münchner Förderzentrum und die Therapien, die wir dort erfahren können.
2 Die Förderstätte als eine therapeutische Maßnahme
3 Individuelle Therapien und medizinische Versorgung
4 Bilder von diversen Hilfsmitteln
5 Berufe für Therapie & Erziehung

Die nachfolgenden Bilder sowie Texte stammen aus der Broschüre des Münchner Förderzentrum: „Integrative und individuelle Förderung und Betreuung für behinderte Menschen und Senioren“

1 Das Münchner Förderzentrum und die Therapien, die wir dort erfahren können

Das MFZ ist eine Tochterfirma der ICP Gruppe, die seit 1956 bundesweit anerkannt Spezialeinrichtungen für körperbehinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterhält. Das Ziel der Einrichtung ist es, Betroffene in allen Lebens-und Entwicklungsphasen zu fördern und ihnen ein möglichst selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen.
– Weitere Informationen zu unserem persönlichen Leben und Arbeiten findet ihr unter der Rubrik „Einblicke in normale Leben“. –
Im Münchner Förderzentrum erhalten körper- und mehrfach behinderte Erwachsene mit infantilen Cerebralparesen oder anderen neuroorthopädischen Erkrankungen eine ganzheitliche Förderung und Therapie, die ganz auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt sind.

2 Die Förderstätte als eine therapeutische Maßnahme


Wenn Menschen mit einer Behinderung nicht arbeiten gehen können und auch zu stark beeinträchtigt sind, um in speziellen Werkstätten für behinderte Menschen zu arbeiten, werden sie trotzdem gefördert und produzieren Gegenstände. Diese Förderung findet in den sogenannten Förderstätten statt und ist gleichzeitig auch als Therapie zur Verringerung der Behinderungsbeeinträchtigungen zu verstehen.

Sinnvolle Tätigkeiten für mehr Selbstwertgefühl
In der Förderstätte werden behinderte Menschen nach Beendigung der Schulpflicht beschäftigt, die aufgrund der Schwere ihre Behinderung nicht in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM)arbeiten können. [Die Ziele des MFZ] sind, sie durch eine ganzheitliche Förderung auf die Tätigkeit in einer WfbM vorzubereiten, ihre Selbstständigkeit sowie ihre gesundheitliche Situation zu verbessern und den Erhalt der geleisteten Fähigkeiten zu gewährleisten.

Tätigkeitsangebote
Die Struktur der einzelnen Fördergruppen ist bezüglich Alter, Geschlecht und Schwere der Behinderung heterogen. Es werden unterschiedliche Tätigkeiten angeboten, die jeweils auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt sind.

3 Individuelle Therapien und medizinische Versorgung

Eine große Besonderheit des MFZ Münchner Förderzentrums ist die umfassende Versorgung der Teilnehmer durch die therapeutischen Abteilungen im Haus und die fachärztliche Betreuung. Die Therapieangebote und die medizinische Versorgung können alle Teilnehmer und Bewohner nutzen, denen diese Behandlung ärztlich verordnet und von den Krankenkassen genehmigt werden. Für die Teilnehmer der Förderstätten und Wohnheime sind die Kosten über eine pauschale Vereinbarung mit den Krankenkassen bereits abgedeckt.
Dabei findet die therapeutische Begleitung in Kleingruppen, aber auch einzeln, statt. Die Therapien werden immer mit der ärztlichen Leitung abgestimmt. Alle diese Angebote können auch von externen Patienten wahrgenommen werden. Die Abrechnung läuft dann über die jeweilige Krankenkasse.

Für gute medizinische Versorgung ist auch bei uns gesorgt. Die ärztliche Leitung des MFZ stellt sicher, dass die medizinische Versorgung den aktuellen Forschungen entspricht. Enge Partnerschaften mit Universitätskliniken in München sowie eine Stiftungsprofessur garantieren höchste wissenschaftliche Standards.

4 Bilder von diversen Hilfsmitteln

Im Alltag ist es oft hilfreich, neben den Therapien auch Hilfsmittel zu haben, die uns mehr Selbstständigkeit und dadurch ein besseres Selbstwertgefühl geben.

5 Berufe für Therapie und Erziehung

Vielleicht ist jemand daran interessiert, selbst einen Beruf im sozialen Bereich zu ergreifen. Hier ist ein erster Überblick über mögliche Berufe.

Quelle: Unterrichtsmaterial „Ich, du und die anderen“ der deutschen Behindertenhilfe Aktion Mensch e. V.


Arbeitsaufträge

Suche zu einer Behinderungsart ein mögliches Beispiel und schreibe mögliche Folgen dieser Behinderung auf.
z.B.: Ein Mensch mit einer Sinnesbehinderung könnte eine Sehbinderung haben und als Folge daraus eine Brille tragen oder sogar blind sein.


Auf welche Probleme könnte der Mensch mit einer Behinderung (z.B. einer Sehbinderung) im Alltag stoßen?


Versuche die folgenden Fragen mit dem zugrundeliegenden Textausschnitt zu beantworten:
. Wie viele Menschen mit einer anerkannten Behinderung lebten 2009 in Deutschland?
. Gibt es mehr schwerbehinderte oder mehr leichtbehinderte Personen in Deutschland?
. Sind behinderte Menschen in der Regel älter oder jünger?


Für die Mittel- und Oberstufe
Das Statistische Bundesamt (Wiesbaden 2010) hat einen fakten- und aufschlussreichen Text über schwerbehinderte Menschen zusammengestellt. Dieser bietet sich für eine Gruppenarbeit an, in der die Schüler zu einer bestimmten Thematik die wichtigsten Informationen heraussuchen sollen, um dann eine eigene Gliederungen zu erstellen. Mögliche Gründe für die gesammelten Ergebnisse können abschließend in einem Unterrichtsgespräch dargestellt und diskutiert werden.
Der hier dazu herunterzuladende Text ist 9 Seiten lang.

Gruppe 1: Wer gilt in Deutschland als schwerbehindert und wo leben die meisten schwerbehinderten Menschen? Erstellt eine Folie/ein Plakat zu dieser Thematik auf Grundlage des vorliegenden Textes und stellt eure Ergebnisse der Klasse/dem Seminar vor.
Gruppe 2: Wie war die strukturelle Verteilung der schwerbehinderten Menschen im Jahr 2007 nach Alter und Geschlecht? Erstellt eine Folie/ein Plakat zu dieser Thematik auf Grundlage des vorliegenden Textes und stellt eure Ergebnisse der Klasse/dem Seminar vor.
Gruppe 3: Welche häufigen Behinderungsarten gibt es und welche Ursachen haben die schwersten Behinderungen? Erstellt eine Folie/ein Plakat zu dieser Thematik auf Grundlage des vorliegenden Textes und stellt eure Ergebnisse der Klasse/dem Seminar vor.
Gruppe 4: Haben schwerbehinderte Menschen oft Mehrfachbehinderungen? Wenn ja, welche Ursache könnte dies haben? Welchen Anteil von schwerbehinderten Menschen gibt es unter der ausländischen Bevölkerung? Erstellt eine Folie/ein Plakat zu dieser Thematik auf Grundlage des vorliegenden Textes und stellt eure Ergebnisse der Klasse/dem Seminar vor.


Versucht eine eigene Definition über den Begriff „Behinderung“ zu verfassen.


Welche Berufe mit und für Menschen mit Behinderung gibt es noch?


Welche Anforderungen werden an Menschen gestellt, die einen der oben genannten Berufe ergreifen möchten? Informiert euch beim Arbeitsamt, bei Berufsverbänden.


Diskutiert mit dem Partner, in der Gruppe oder in der Klasse über diese Definitionen:
Welche Unterschiede weisen die Definitionen auf?


Welche Begriffe sind euch aus diesem Abschnitt noch unklar? Recherchiert die unklaren Begriffe im Internet.



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